Mit Geschichten aus dem Leben zu mehr Aufmerksamkeit

19.09.2017


Treffpunkt Tischler NRW - Bericht vom Workshop Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 4.0 PR-4 © 2017 Meisterteam Bochum

Um sich heute in der vollbesetzten Medienlandschaft Gehör für Nachrichten aus dem eigenen Betrieb zu verschaffen, sind pfiffige Ideen gefragt. Eine Möglichkeit ist, die Fakten in Geschichten zu verpacken und zu erzählen.

Die öffentliche Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen, ist nicht nur für die Auftragslage wichtig. Zunehmend wollen auch die Nachwuchskräfte gezielt umworben werden. Je offener, lokaler und authentischer Betriebe dabei auf ihre Zielgruppen zugehen, desto größer ist heute ihre Chance, sich von der globalen Informationsflut abzuheben.

Anders als vor etwa 20 Jahren, als Pressemitteilungen noch gelesen und Pressegespräche noch rege besucht wurden, stehen die klassischen Medien mittlerweile ebenso unter Dauerbeschuss mit Neuigkeiten wie ihre Leserschaft. Beide haben sich seither in ihrem Verhalten so grundlegend verändert, dass man auch bei der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit heute von einem Entwurf 4.0 sprechen kann.

Das Informationsangebot ist durch das Internet und die digitalen Medien mehr als üppig geworden. Genügten früher die Tageszeitung aus dem Briefkasten und die Abendnachrichten aus dem Fernsehen, um zufrieden auf dem Laufenden zu bleiben, werden wir heute rund um die Uhr mit E-Mail-Weiterleitungen, Newslettern, RSS-Feeds, dazu Facebook, Twitter, WhatsApp und Instagram, YouTube und Snapchat bespielt.

Die Anzahl der Medien hat sich inzwischen verhundertfacht. Aus Betriebssicht einfach mehr Kanäle für die eigenen Nachrichten zu nutzen, reicht nicht aus. Denn dazu kommt der Zeitdruck. Durch den Dauerbeschuss aus einer Vielzahl von Medien hat sich die Wahrnehmung drastisch verändert. Die Leser bleiben nur noch extrem kurz bei einer Info hängen, bevor sie schon zur nächsten weiterspringen. Kaum etwas prägt sich noch ein.

Die Leser entscheiden mittlerweile selbst, was für sie interessant oder eine Neuigkeit ist. Sie filtern nach Inhalten, die sie berühren, die eine Emotion bei ihnen auslösen. Das bedeutet für den Handwerksbetrieb, der eine Nachricht verbreiten möchte, diese am besten in eine Geschichte zu verpacken – eine Geschichte mit echten Menschen, mit denen man mitfühlen kann; eine Geschichte mit einer Handlung, die man nachverfolgen kann, und die ein Ziel oder eine Moral hat, die sie spannend und glaubhaft macht und die im Gedächtnis hängenbleibt.

Wer die Menschen berühren möchte, schafft das nicht mit bloßen Fakten. Damit eine Geschichte in Erinnerung bleibt, muss sie Emotionen erzeugen. Bereits in der frühen Steinzeit wurden Erzählungen geteilt, um Erfahrungen und wichtige Informationen weiterzugeben: Wie erlege ich einen Bären? Wie finde ich im Wald Schutz? Wie mache ich Feuer? Diese Geschichten sicherten das Überleben. Nur relevante Informationen schafften den Weg ins Gehirn.

Dieses Prinzip gilt bis heute. Beim Geschichtenerzählen erfahren wir nicht nur, was passiert, sondern fühlen mit den Personen mit und lernen aus ihrem Handeln.

Im Kern sind drei Fragen zu beantworten:

  1. An wen richtet sich unsere Geschichte? Wer ist das Publikum?
  2. Wofür interessiert und begeistert sich unsere Zielgruppe?
  3. Was unterscheidet uns von anderen und wie können wir das mit einem Touch Emotion rüberbringen?

Diesen Weg zum Story-Telling zu erkunden, war Thema von zwei Workshops, die der Fachverband Tischler NRW im Rahmen seiner Veranstaltung „Treffpunkt Tischler NRW“ Anfang September im RuhrCongress Bochum anbot. Deren Referentin war die Kommunikationswissenschaftlerin Julia Kreuteler, die in Mönchengladbach das Mitgliedermagazin der dortigen Kreishandwerkerschaft betreut. Die Erfahrung aus sechs Jahren mit Geschichten aus dem Handwerk zeigen, dass diese durch ihre Authentizität tatsächlich mehr Aufmerksamkeit bekommen und sich in der Informationsflut durchsetzen können.

Der Zeitrahmen von jeweils 60 Minuten machte es nicht möglich, in den Workshops die komplette Methodenpraxis für die „Medien- und Öffentlichkeitsarbeit 4.0“ zu vermitteln. Das Engagement der Teilnehmer hat währenddessen für überraschend viele kreative Ideen und außerdem einen intensiven Erfahrungsaustausch untereinander gesorgt. Es steht zu vermuten, dass im Anschluss eine Reihe von Impulsen mit in den heimischen Betrieb genommen werden konnten.

Am ersten Workshop nahmen 22 Treffpunkt-Besucher teil. Nach einer Einführung zum Thema wurden sie vor die Aufgabe gestellt, in Kleingruppen Stichworte zu den folgenden sechs Fragen zu sammeln:

  1. Bandbreite – Was machen Tischler alles? – zum Beispiel von A bis Z?
  2. Innovationen – Mit welchen modernen Hilfsmitteln/Techniken arbeiten Sie – im Vergleich zu „Meister Eder“?
  3. Kundenerwartungen – Ein Auftrag droht: Warum soll der Kunde damit zu Ihnen kommen? Was will er von Ihnen?
  4. Azubi-Suche – Was macht den Tischler-Beruf für Jugendliche attraktiv?
  5. Fachkräfte-Suche – Was erwarten Mitarbeiter von Ihnen? Was bieten Sie als Arbeitgeber?
  6. Werkstatt-Besuch – Tag der offenen Tür ... Mit welchen Programmpunkten machen Sie Ihr Handwerk „erlebbar“?

Diese Stichwortsammlungen stellen die Basis, den roten Faden für Geschichten aus dem Handwerksleben dar, die gehört werden. Nach dem Brainstorming tauschten die Gruppen ihre Ergebnisse untereinander aus und ergänzten dabei zahlreiche Erfahrungen, die sie bereits selbst in der Praxis gemacht hatten.

Der zweite Workshop kam mit über 50 Teilnehmern an seine Kapazitätsgrenze. Für Gruppenarbeit blieb schlicht kein Raum. Deshalb übernahmen sechs Co-Moderatoren aus dem Gästefeld die Aufgabe, die Ergebnisse aus dem ersten Workshop zu präsentieren, mit ihrer Einschätzung zu kommentieren und das Publikum um Ergänzungen zu bitten. Erneut war die Resonanz außerordentlich konstruktiv. Wieder tauschten die Teilnehmer eigene Erfahrungen miteinander aus und fanden im Dialog zu neuen Ideen.

Unterm Strich darf festgehalten werden: Das Handwerk hat Geschichte und ist gleichzeitig voller Geschichten. Es braucht nur einen Auslöser, diese zu erkennen, sie freizulegen und zu erzählen. Das hat am 8. September in Bochum bereits hervorragend funktioniert. Es ist nun an der Zeit, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.